Die legendären Seidenstraßen, die das Mittelmeer mit Ostasien verbinden
Die Seidenstraßen waren über Jahrtausende einer der wichtigsten Handelswege der Menschheit. Sie verbinden den Mittelmeerraum mit Ostasien und waren die bedeutendste Route zum Austausch von Gütern zwischen Europa und China. Ein wichtiger Nebeneffekt des intensiven Handels war der Austausch von Wissen und kulturellen Errungenschaften zwischen den Kontinenten. Es existiert keine einzelne Route mit dem Namen “Seidenstraße”; die historischen Handelswege bildeten ein Netz aus verschiedenen Verbindungen durch Zentralasien, dessen einzelne Teile unterschiedlich genutzt wurden. Im Laufe der Jahrhunderte verlagerten sich die Routen mehrfach, was vor allem mit wechselnden politischen Machtverhältnissen zu tun hat.
Die Geschichte des Handels auf den Seidenstraßen lässt sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen. Durch die gesamte Antike und das Mittelalter hindurch wurde die Nutzung der Reisewege intensiviert und führte zur Verbreitung von asiatischen Gütern in Europa, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht selbst gefertigt werden konnten. Das wichtigste Handelsgut war die chinesische Seide, die der Straße ihren Namen gab und von jeher als Luxusgut galt. Die Bedeutung des Seideimports schwand erst, als durch Schmuggel Seidenraupen direkt nach Europa gelangten, wodurch eine Fertigung des begehrten Stoffes vor Ort möglich wurde.
Weitere wichtige Handelsgüter waren Gewürze und Glas. Gleichzeitig trug die legendäre Seidenstraße zur Verbreitung von Religionen bei: Auf ihnen gelangte der Buddhismus nach Ostasien, und der Islam und das Christentum fanden große Zahlen von Anhängern entlang der Routen. Mit der Neuzeit schwand die Bedeutung der Seidenstraßen etwas, da sich der Handel aufs Meer verlagerte. In den letzten Jahrzehnten haben sie allerdings als Reiseziel wieder an Bedeutung gewonnen. Ihre vielen einmaligen historischen Sehenswürdigkeiten und Städte machen die Seidenstraßen heute zu einem beliebten Ziel sowohl für Europäer als auch für Asiaten. Sie lassen sich gleichermaßen über Straßen wie über eine durchgehende Eisenbahnverbindung erschließen.
Landschaftlich sind die Routen der Seidenstraßen abwechslungsreich und eindrucksvoll. Schroffe Gebirgsgegenden in Zentralasien wechseln sich ab mit endlos weitem Flachland; viele Routen führen direkt durch die Taklamakan-Wüste, eine der größten Sandwüsten der Erde. Die eigentümliche Romantik, die mit dieser Streckenführung und den zahlreichen unterschiedlichen Kulturkreisen in ihrem Verlauf einhergeht, macht die Seidenstraßen besonders beliebt bei Abenteurern. Bis heute haben diese einmaligen historischen Routen nichts von ihrer Exotik verloren.
