Berliner S-Bahn lässt auch in diesem Winter auf sich warten

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Erinnerungen an überfüllte Bahnsteige im letzten Winter werden wach: Auch in diesem Jahr kämpft die Berliner S-Bahn mit der kalten Witterung. Aufgrund zugefrorener Weichen können Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten nicht fristgerecht vorgenommen werden. Streckenteile liegen bereits still. Auf dem gesamten Streckennetz kommt es zu Einschränkungen und Verspätungen. Einige Linien sind eingestellt oder funktionieren eingeschränkt.

Die Fahrgäste reagieren aufgebracht. Für die Beeinträchtigungen, unter denen zahllose Fahrgäste im letzten Winter gelitten hatten, stellte die S-Bahn zwar Entschuldigungsleistungen im Wert von 70 Millionen Euro zur Verfügung. Gerade in den Monaten November und Dezember des letzten Jahres freuten sich viele Studenten oder Jobticketinhaber an kostenlosen Fahrten.

Berliner S-Bahn im Winter

Berliner S-Bahn im Winter

Die Freude über diese späte, aber doch vorhandene Entschädigung verblasst in den Gesichtern der meisten Bahnnutzer allerdings angesichts der aktuellen Probleme. Wer sich bei Minusgraden die Beine in den Bauch steht, dem vergeht jeglicher Sanftmut. Verärgerte Fahrgäste fordern eine Neubesetzung der Vorstände. Die Wege zur Arbeit dauern nicht selten mehr als dreimal so lang wie an normalen Tagen. Wegen verharschtem Schnee und neuem Eisregen kommt das Umsteigen auf Auto oder Fahrrad für die wenigsten in Frage. Viele hoffen auf das anhaltende Verständnis der Arbeitgeber, wenn sie vermehrt zu spät am Arbeitsplatz ankommen.

Hinzu kommt der Ärger über die Tariferhöhungen zum 1. Januar 2011, von der die Zeitkartenkäufer im Besonderen betroffen sind. Haben sie im letzten Jahr noch 72 Euro für ein Monatsticket bezahlt, sind es nun 74 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 2,8 %.

Das reduzierte Angebot der S-Bahn und die Fahrplanlücken führen zu langen Wartezeiten. Die Preise, die loyale Bahnnutzer jährlich für ihre Tickets auf den Tisch legen müssen, stehen dazu in keiner Relation. Eine VBB-Umweltkarte für den Verbundbereich Berlin ABC kostet im Jahr immerhin 848 Euro.

Der stellvertretende Vorsitzende des Berliner Fahrgastverbandes (IGEB), Jens Wieseke, wirft der Bahn jahrelanges Missmanagement vor. Die Ursachen seien in einer verfehlten Privatisierung der Deutschen Bahn zu sehen. Die Bahn sei ausschließlich renditeorientiert. Das Geld, das aus der S-Bahn gezogen worden sei, fehle nun für notwendige Investitionen. Der IGEB fordert eine erneute Entschädigung der Fahrgäste für das Sommerhalbjahr 2011. Insbesondere zugunsten der Stammkunden müsse die Tarifstruktur verbessert werden. Die Deutsche Bahn enthielt sich bisher jeglicher Kommentare. Die Berliner Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) traf sich jedoch am Mittwoch mit Spitzen-Vertretern der Berliner S-Bahn sowie der Deutschen Bahn AG, um das weitere Krisenmanagement abzusprechen und zukunftsweisende Lösungen abzustimmen.

Auf ihrer Website entschuldigt sich die S-Bahn bei ihren Fahrgästen für Unannehmlichkeiten.

(Foto von lilli2de/ CC by-sa)

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