Yoga-Studio in Köln – Mein erster Sonnengruß
Kaum zu glauben, dass ich mich tatsächlich darauf eingelassen habe. Meine erste Yoga-Stunde in Köln. Ich sitze auf einer orangefarbenen Gummimatte in einem überheizten Raum im Kölner Rheinauhafen. Hier gibt es nicht nur astronomisch teure Büros, sondern auch ein Yoga-Studio (ist ja Trend, Asia und Buddha und Feng Shui und so…), in das eine gute Freundin aus Köln mich heute mit ins Studio geschleppt hat.
Eigentlich bin ich überrascht und ein bisschen erleichtert – ich hatte mir das ganze Ambiente im Studio wesentlich schlimmer vorgestellt – Räucherstäbchen, Ökotrinen und Schweißfüße… hier ist aber alles eher angenehm unaufdringlich. Der Blick auf den Rhein aus dem Panoramafenster in der „Lounge“ ist fantastisch, es läuft entspannte Musik – nur leider sitze ich ja jetzt im „großen Übungsraum“ ohne Rheinblick auf meiner geliehenen Yogamatte und hadere mit meinem Schicksal.
Mit mir sitzen noch ungefähr acht weitere Menschen (sieben Frauen und ein Mann) auf lilafarbenen, grünen, blauen und roten Matten und warten. Irgendwie redet hier niemand – ob man das nicht darf beim Yoga? Einige von den Kölner Mädels im Studio sind gar nicht übel, denke ich mir – und werde noch unentspannter, und vor denen soll ich mich jetzt hier blöde verrenken?
Der Yogalehrer betritt den Raum – mittleres Alter, hager, leise Stimme, ich finde ihn ein kleines bisschen weichgespült – und begrüßt uns. Er erklärt, dass Ashtanga Yoga 99 % Praxis und nur 1 % Theorie sei. Prima, also machen wir wenigstens Sport, denke ich mir, statt auch noch irgendeine „Theorie“ zu büffeln… hinterher wollen die noch, dass ich hier meditiere oder was?
Zuerst spricht der Yogalehrer über die Yoga-Atmung. Ich soll den Bauch einziehen und meinen Atem von ganz unten herholen, dabei meine Beckenbodenmuskulatur anspannen (Ich dachte, sowas haben nur Frauen?? In Anatomie war ich wohl immer schon schlecht…) und beim Einatmen und Ausatmen langsam zählen. Ich bin verwirrt. Wo ist überhaupt meine verdammte Beckenbodenmuskulatur, was hat mein Atem eigentlich zwischen meinen Beinen zu suchen und wie krieg ich den von da jetzt in die Lunge?! Ich bezweifle mittlerweile stark, dass Yoga in Köln das Richtige für mich ist, geschweige denn, dass ich mich dabei jemals werde entspannen können.
Ich stehe auf meiner Gummimatte, versuche nach Anweisung zu atmen und denke an das halbe Hähnchen, das ich heute mittag gegessen habe, an das Mädel in der engen rosa Sporthose links neben mir und daran, dass ich morgen meine Steuer machen muss. Von Entspannung keine Spur.
Dann geht es endlich mal um Bewegung. Das war ja der Plan – Sport sollte es sein, anstrengend, was gegen die Bierplauze vielleicht. Wir beginnen mit dem Sonnengruß. Sonnengruß. Klingt nett irgendwie. Die Sonne in Köln grüßen – warum nicht?

Yoga Sonnengruß
Wir stehen am Rand unserer Yogamatte und atmen erstmal ein bisschen weiter. Dann sagt der Yogalehrer den Rhythmus und die Bewegungen an: Einatmen, Arme seitlich über den Kopf heben. Ausatmen, nach vorn beugen, Hände auf den Boden setzen (an dieser Stelle muss ich mächtig in die Knie gehen, sonst würden noch nichtmal meine Fingerspitzen den Boden berühren – ob das normal ist?). Jetzt hab ich den Anschluss verpasst – was machen die anderen da schon?
Einatmen, Rücken strecken. Ausatmen, Füße nach hinten setzen. Absenken in den Stock. Stock? Komisches Studio hier in Köln! Ach so – wie beim Liegestütz… Einatmen, Hund mit Gesicht nach oben, Schultern zurück. Ausatmen, Hund mit Gesicht nach unten. Oberkörper lang werden lassen, die Hüfte arbeitet nach oben, Hände mit der ganzen Handfläche fest auf den Boden. Fünf Atemzüge halten. Ich schwitze. Das ist ja wirklich anstrengend.
Einatmen, mit einem Sprung so weit nach vorne zu den Händen wie möglich. Ausatmen, Gesicht zu den Beinen. Einatmen, mit geradem Rücken aufrichten, Hände über den Kopf zusammenführen. Ausatmen, Hände nach unten.
Ich will gerade erleichtert verschnaufen, aber es geht direkt weiter: Einatmen, Hände nach oben. Ausatmen, nach vorn beugen, Hände auf den Boden…
Insgesamt 5 Sonnengrüße machen wir, danach ist mir warm und ich finde mich irgendwie gut. Yoga ist ja doch gar nicht so albern, denke ich. Ich mag den Rhythmus, ich mag mein Atmen und die Bewegung. Ich habe zwar schon wieder vergessen, wo ich meinen Atem herholen und welche Muskeln ich dabei anspannen soll, aber egal: das tut wirklich gut hier!
Nach einigen weiteren Übungen endet meine Schnupperstunde Yoga mit der „Endentspannung“. Auf der Matte im Studio liegen und zur Ruhe kommen. Und jetzt kann ich es tatsächlich fühlen. Ich stelle fest, dass ich währenddessen weder an meine Steuer, noch an Kölner Brathähnchen oder rosa Sweatpants gedacht habe. Es war mir auch total egal ob jemand guckt oder wie ich gerade aussehe. Ich war einfach eine ganze Stunde lang nur mit meinen Bewegungen und meinem Atmen beschäftigt. DaS meinen die also mit Meditation in Bewegung. Jetzt liege ich auf meiner orangefarbenen Gummimatte und bin total entspannt. Vielleicht komme ich wieder.
(Foto von LindaZi/ CC by)
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